27. April 2018

Von Possen in der Vergangenheit...


...und Farcen in der Gegenwart!

Geteilt u.a. für den  Samstagsplausch bei Andrea

Zuletzt von den Franzosen gepostet, führte mich dieser Tage der Alltag zurück - sogar weit zurück ins Mittelalter, zu Possen. Und später zu persönlichen Farcen im Alltag.

Wie kam's dazu!?

Relativ einfach und unkompliziert!


Denn am letzten Samstag galt es bei einem Termin vor Ort die Saisoneröffnung für die Thierhauptener Mühle zu besprechen und einiges vorzubereiten. Dabei gab uns die Leiterin der Mühle, Claudia Drachsler, eine detailreiche Führung in der Museumsmühle, die uns unwillkürlich in die zurückliegenden Epochen der Mühle beamte. Es wurde gefachsimpelt, geklönt und der Mühlengeist förderte zusätzlich unser Wohlbefinden...

...tags darauf ging es nochmals in die Vergangenheit!


Diesmal bekam ich innerhalb der Mühlenfreunde einen Spaziergang durch Rain am Lech gestiftet, bei schönstem Sonnenschein und allerseits guter Laune. Renate, die diese Zeitreisen regelmäßig mit Publikum in Rain veranstaltet, brachte uns den Ort näher und erklärte etliches aus der Historie.
Ein Spaziergang durch Rain am Lech, der Ort, der u.a. von Tilly, dem Feldherrn beherrscht ist. Tilly, beziehungsweise Johann (auch Johannes oder JeanT’Serclaes von Tilly (* Februar 1559 auf Schloss Tilly im Herzogtum Brabant; † 30. April 1632 in Ingolstadt - nach seiner schweren Verletzung in Rain) war ein Graf, der während des Dreißigjährigen Kriegs als oberster Heerführer sowohl der Katholischen Liga als auch ab 1630 der kaiserlichen Armee fungierte.


Die Statue sollte zu Kriegszeiten im zweiten Weltkrieg eingeschmolzen werden, das Material war schließlich rar geworden und kostbar. Doch die pfiffigen Rainer versteckten ihren Tilly, sammelten stattdessen mühsam eine entsprechende Menge Metall, um nicht in Verdacht zu kommen. Es gelang die Figur vor dem Schmelzofen zu retten. Nach Kriegsende wurde dann die Statue stolz aufgestellt. Doch die Besatzer machten dem einen Strich durch die Rechnung und verlangten den Abbau dieses Kriegsherrn. Die Zurschaustellung eines Kriegers war verboten worden. Abermals zeugten die Rainer von einmaliger Überzeugungskraft, indem sie den Tilly kurzerhand zu ihrem Stadtheiligen erklärten, den man seit jeher verehrte und damit tatsächlich durchkamen!



Wer ohne jede Narrheit lebt,
ist nicht so weise, wie er glaubt.
1613 - 1680, franz. Offizier, Diplomat und Schriftsteller


Das Nibelungenlied, das vom Leben und Sterben des fast unbesiegbaren Siegfried erzählt, gibt diesmal die musikalische Begleitung, nebenbei und im Hintergrund - wen es interessiert hineinzuhorchen!

Im Karner stimmt uns diese Frage nachdenklich. Als Renate mit viel Mühe die Eisentür zu den Gebeinen öffnet, wir die Treppe mit eingezogenen Köpfen hinuntersteigen, weist sie uns ausdrücklich  auf ein Schild hin. 
„Was ihr jetzt seid, das waren wir. Was wir jetzt sind, das werdet ihr.“
Das Beinhaus, auch Ossarium oder Ossuarium (lateinisch os = Knochen), ist ein überdachter Raum, der zur Aufbewahrung von Gebeinen bestimmt ist. Der Begriff Karner, auch Gerner, Kärnter und anders genannt, bezeichnet eine auch als Beinhaus genutzte Kapelle.

Renate musste auf ihrem Weg zur Schule täglich am Karner vorbeilaufen und konnte durch das Fenster die Knochen und Schädel sehen. Sie weiß zu berichten, dass Lausbuben sich Knöchelchen herausangelten und sie oft und gerne in die Einkaufstaschen der natürlich ahnungslosen Hausfrauen gleiten ließen oder mit den Totenköpfen sogar Fußball spielten.





Der Montag diente dann nach diesem geschichtsträchtigen Wochenende einerseits dem Zurechtrücken verschiedener Termine, die durch den nicht vorhersehbaren Einsatz in meinem Jöbchen durcheinander geworfen worden waren. Und andererseits auch meiner Physio-Betreuung.
Der Urlaub ist vorüber - der Alltag kehrt mit Volldampf wieder in mein Leben.
Das war blöde, die Termine neu zu gestalten. Das fragile Gerüst der Termine ist nämlich eine sorgsame Tüftelei bei uns: Sowohl das Abstimmen mit dem Göttergatten, als auch andere Begleiterscheinungen müssen / sollen  jeweils in der Planung berücksichtigt sein.

Soweit der erste Teil an Bildern aus Rain am Lech.
Demnächst mehr davon und einstweilen noch ein Blumengruß
aus unserem eigenen Garten...

...habt es fein 

und  ein schönes Wochenende

Heidrun

Die Kommentare werden weiterhin von mir moderiert, da leider
so viele Spams auf jeden Post in der Mailbox landen.


Verlinkt mit Nova`s Zitate

Kommentare:

  1. Jetzt war ich tatsächlich überfordert, wegen all der Informationen. Es wird immer schwieriger, allem zu folgen.
    Vielleicht ist auch heute nicht mein Tag. Zuviel, viel zu viel Handwerkerdreck.
    Ein schönes Wochenende liebe Heidrun.

    LG Mathilda ❤

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  2. Wirklich viel Info aber sehr interessant. Vor allem schön zu lesen das die Statue allen Widerstand überstanden hat und nicht Opfer des Schmelzofens wurde.

    Tja, ohne Narrheit leben...ne, das möchte ich nicht. Für mich gehört es absolut dazu, wenn man dazu auch albern sein zählen darf. Ich kann mit Menschen die immer nur "weise sein wollen", ernst sind und so gar keinen Humor zeigen wollen so gar nix anfangen.

    Auch heute möchte ich dir für dein ZiB danken und freue mich wieder darüber.

    Wünsche dir noch ein schönes Wochenende und sende ganz herzliche Grüsse

    N☼va

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  3. Liebe Heidrun,

    von meinem Besuch bei dir,
    bleiben sonnige Grüße hier.

    Elisabeth

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  4. Schönen Dank, für die Führung. Ich mag solche Ausflüge. Spannend was man dabei so erfährt.
    Blöd nur, wenn der Urlaub dann vorbei ist.
    Genieße das Wochenende
    Andrea

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  5. Die Narren tragen ihr Herz auf der Zunge ... Hab weiter eine gute Zeit, hab immer gern bei dir vorbeigeschaut, liebe Grüße, Ulla

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  6. Guten Morgen, liebe Heidrun,
    schön, dass du uns mit auf den Spaziergang genommen hast. Hat Spaß gemacht. Ich drücke die Daumen, dass die terminplanung jetzt gut steht und nicht wieder durcheinandergewürfelt werden muss.
    Hab ein schönes Wochenende
    LG
    Yvonne

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  7. Liebe Heidrun,

    ein schöner Wochenplausch mit tollen Infos über Zeitreisen bis zurück ins Mittelalter.
    Die Rainer waren echt pfiffig und haben ihren Tilly wortwörtlich gerettet.
    Dein Spaziergang durch diesen hübschen Ort hat mir sehr gefallen.
    Zu gerne hätte ich jetzt mal die alte Türklinke heruntergedrückt und einen Blick ins Ossarium geworfen.

    Ein bisschen Narrheit, die sollte man sich bewahren, sie ist die Würze in unserem Alltag.

    Ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünscht dir
    Christa

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  8. Liebe Heidrun, diesen Satz „Wer ohne jede Narrheit lebt,
    ist nicht so weise, wie er glaubt.“ nehme ich mit und, wie ich finde, man kann es nicht genug lesen oder hören, weil es das Leben erleichtet, angenehmer und entspannter macht. Auch mal ein Narr zu sein, oder Ecken und Kanten zeigen – erst das ist menschlich, sympathisch und ehrlich. Deshalb freue ich mich sehr, dass ich dank dir wieder daran erinnert worden bin.
    Alles Liebe und ein himmlisches Wochenende, Grażyna

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  9. Was für eine herrliche (Zeit)reise, liebe Heidrun,
    Danke, dass Du uns mitgenommen hast. Allein die Geschichte über den "heiligen Kriegsherrn" ist das Lesen all der Infos wert!
    Deine Zitate sind wunderbar und regen sofort zum Nachdenken an, zum Innehalten!
    Ich wünsche Dir eine gute Verbindung von Pflichten und "Leben",
    fröhlichen Samstag und liebe Grüße
    moni

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  10. Ich möchte mein Leben auch nicht ohne "Narrheit" leben und finde diese Tage immer sehr schön, wenn ich mich so ausgelassen fühle! Eine interessante Führung- ich finde es immer spannend in frühere Zeiten einzutauchen - und ein super gestaltetes ZIB! Ich wünsche Dir ein entspanntes, sonniges Wochenende,liebe Grüße Liz

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  11. Liebe Heidrun, das waren halt noch echt Lausbuben :) Und an dem Spruch, den Du gelesen hast, und hier veröffentlichst, gibts natürlich gar nichts zu schütteln und zu rütteln! Danke fürs Mitnehmen und teilen - genieße Dein Wochenende!
    Liebe Grüße, Rena
    www.dressedwithsoul.com

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  12. Welch ein schöner Beitrag. Manchmal muss man gar nicht so weit fahren(fliegen) um schöne Fleckchen zu sehen.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Magda

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  13. Was erfahren über einen Ort, der mir kein Begriff war. Danke!
    Bon week-end!
    Astrid

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  14. Das war wirklich ein informativer schöner Rundgang!
    Liebe Grüße
    ANdrea

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  15. Ketzt konnte ich noch einmal in Ruhe nachlesen und es war sehr intetessant.
    Einen erholsamen Sonntag wünsche ich dir.

    Alles Liebe von Mathilda ❤

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  16. Liebe Heidrun,
    ich habe mich in deine schöne alte Türklinke verguckt, die du so schön in deinen Post eingefügt hast.
    Deine Bilder habe ich auch sehr genossen, lesen kann ich heute nicht mehr und trotzdem sollst du wissen, dass ich dich besucht habe und ein wenig geschaut habe....:)
    und dir ein paar liebe Worte schenken möchte....
    Dein ZIB lässt mich ein wenig nachdenken, Dankeschön!

    Einen schönen Abend euch und herzliche Grüße
    von Monika*

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  17. Great photos!
    Thanks for sharing at https://image-in-ing.blogspot.com/2018/04/saints-among-us-then-and-now.html

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  18. Isn't Germany gorgeous right now with all it blossoms. I love spring here! Thanks for sharing your little visit to this town.

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  19. die Rainer waren echt pfiffig um ihren Tlly zu retten ;)
    es scheint ein hübsches Städtchen zu sein
    den Spruch vom Gebeinhaus kenne ich
    denn er steht in Bingen am Friedhofstor

    und ein wenig Narr sein.. das tut manchmal gut
    denn man bricht dann aus dem Verhalten aus das ständig von einem erwartet wird

    liebe Grüße
    Rosi

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Ich freue mich über jeden Kommentar und sage: Herzlichen Dank ♥️

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