19. Mai 2016

Der Augsburger...

...allgemein und im Besonderen!
- Ein Brise hiervon und davon -


Von der Größe her, sieht man ihn bereits von weitem, den Augsburger.
Respektive die Augsburgerin. Sie sind eindeutig kleinere Menschen.

Es sind etwa fünf bis zehn Zentimeter, die den Unterschied betonen.




Freilich, das hat seinen geschichtlichen Ursprung. Wenn man nämlich
in die Vergangenheit reist, ist festzustellen, dass die Menschen hier ein
äußerst hartes Leben fristen mussten. Auch klimatisch weht hier im
Schwabenländle ein kälterer Wind. Das es deutlich kühler ist als in München,
war seinerzeit meine erste Wahrnehmung, als ich nach dem Umzug hier
aufschlug.

Ungläubig, ob dies meiner eher ablehnenden Einbildung
entspringt, untersuchte ich über das Jahr verteilt penibel die
Temperaturen in München und Augsburg, um zu vergleichen.
Es war und ist im Mittel tatsächlich über ein Grad Differenz.



Das nächste was auffällt, ist natürlich die Sprache.

Es endet so manches Wort mit einem "le", das einer Verniedlichung,
einem Herunterspielen, etwaig einer Verkleinerung gleichkommt.

"Heiligs Blechle", ruft der Schwabe verärgert aus.

Er selbst wird jedoch niemals vom Schwaben zum Schwaberle!
"Ha noi", was eine Ablehnung ausdrücken kann.




In den Familienamen taucht das "le" sichtbar und hörbar auf.

So heißt der Herr Meier hier eben Meierle. Er ist äußerst stolz und
selbstbewusst darauf ein waschechter Augsburger zu sein und
trägt dies gerne - verglichen wie ein Abwehrschild - eben dar
vor sich her.





Daneben entdeckt man leibhaftig noch besondere Wortbrocken,
die mir als Münchnerin erst einmal übersetzt werden mussten!

So spricht er oder sie von einem Gsälzbär, einem
Heggabeerlesbronzer
oder etwa auch von einem Griffelschbiddzr.

Es sind beileibe keine Schmeicheleien!

Sollte eine Übersetzung vonnöten sein, bitte melden.




So wenig Lob dem schwäbischen, dem Augsburgerischen Mund
entschlüpft,
so wenig macht er übrigens Geschenke.

Allein der geflügelte Satz:
Liebr zär Minuta gschamst, ois a' Gschenk gmachd. 

Besagt dies doch eindeutig, dass der Augsburger sein Sach zusammen
hält. Der Hiesige wird daher  - wen wundert es  - gerne mit
den Schotten verglichen.

Seine Sparsamkeit ist bekannt über die Stadt- und Landesgrenzen
hinaus.




Es dauert außerdem bis man sein Herz entdeckt, den er ist auch über
die Maßen vorsichtig, zurückhaltend und abweisend.
Es verbietet mir der Anstand dererlei Beispiele nieder zu schreiben,
wobei mir durchaus bewusst ist, dass selbstredend der
Ur-Münchner sich gegen den Preußischen verwehrt!




Wer jetzt jedoch noch Zweifel hegt, den verlocke ich auf eine
entsprechende Website "Schwäbisch schwätza", wo dergleichen
detailliert und anschaulich beschrieben ist.






Vielleicht fragt sich jetzt jemand, was der Grund für diese
Betrachtung des Augsburgers sein könnte!? Nun, es ist mit
Sicherheit meine eigene Geschichte, wie ich das Leben in
und um Augsburg herum betrachte, jedoch auch ein
Brückenschlag.

Versuche ich doch immer wieder genau hinzusehen, zu spüren
und Liebenswertigkeiten zu gewinnen.




Im übrigen bin ich mit einem durch und durch echten Lechhauser verheiratet.


Wissenswert, dass sich über die Jahrhunderte die Lechhauser gewehrt
haben von den Augsburgern einverleibt zu werden.

Der Lech stellt bis heute die geografische Grenze dar, der Lechhauser
selbst wird niemals müde zu erklären, dass er kein Augsburger sei
sondern eben ein Lechhauser.





Maiabend in der Stadt

Ein heller Frühlingstag geht nun zu Ende.
Die Amsel schenkt uns noch ihr Abendlied,
derweil die Schatten wachsen im Gelände,
und Sonne, Himmel rötend, sanft verglüht.

Doch zum Verweilen lockt des Abends Milde;
im Freien kann man plauschen, im Cafe´;
es grüßt im Park der Duft der Blütengilde,
wo vor fünf Wochen lag noch dick der Schnee.

Jetzt setzt der Frühling hier den Mai in Szene,
zeigt her sein frisches Grün in warmem Licht.
Das Leben schmiedet täglich neue Pläne
und zeigt sich uns mit lächelndem Gesicht.

Auch du als Mensch begegnest ihm nun offen,
fühlst dich dazu bereit, zu wagen,hoffen.

© Ingrid Herta Drewing, 2013

Dankeschön, liebe Lyrikfreundin für
dieses feine Gedicht.

Der Titel ist auf die Webseite von Dichterei verlinkt.




Urbanes Grün
für Jutta`s Aktion in dieser Woche: Natur.

Und weiterhin geteilt mit FridayFlowersPiercedWondering
und  Friday Greens meme.






Neben der eigenen Wahrnehmung ist es wichtig diese
Besonderheiten zu kennen, um zu verstehen wie es
dazu kam, dass die Planung des Städtischen Hafens für
Augsburg regelrecht und buchstäblich ins Wasser fiel...

...denn neben allem was bereits erklärt redet der Augsburger
gerne mit einem rollenden "rr" in seinem Dialekt.

Dies klingt hart und sollte auch so verstanden sein.
Eine Härte, die sich durch und durch im Alltag wieder spiegelt.

Einer Bastion gleich, die von außen so schnell niemand einnimmt!


Spaziergang im Regen am Oblatter Wall.


Mit einem Gruß an die Blogfreunde
sage ich: Habt es alle fein!

Heidrun


Die Kommentare werden weiterhin von mir moderiert, da leider
so viele Spams auf jeden Post in der Mailbox landen.

Kommentare:

  1. Wunderbar, liebe Heidrun und sehr amüsant! Für uns Nordlichter wäre der Augsburger bestimmt eine ganz große Herausforderung! Das gibt bestimmt Kauderwelch der ganz besonderen Art! Ich mag das - da hat man auf beiden Seiten gleich Gemeinsamkeiten!

    Deine Fotos sind auch wieder Spitze; ein Beitrag genau nach meinem Geschmack! Ich hoffe es hat mittlerweile aufgehört zu regnen? Hier scheint die Sonne, aber im Westen rollen Gewitterwolken an...

    Liebe Grüße und ich wünsch dir einen gemütlichfeinen Abend,

    Joana

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    1. Ging mir genauso, und teilweise ist`s heute noch so, dass ich den Göttergatten fragen muss, oder meine liebe Freundin (ebenfalls Lechhauserin).
      Ich freue mich über Deine Wort und sende herzliche Grüßle gen Norden. Hier regnet`s übrigens den ganzen Tag schon.

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  2. Das mit den Augsburgern, scheint gar nicht so einfach zu sein liebe Heidrun. :-)
    Gut das Du mit einem Lechhauser verheiratet bist, ansonsten sähe es bei der
    Sparsamkeit, mir kleinen Aufmerksamkeiten wohl ehr mager aus. ;-)
    Jetzt habe ich überlegt was wohl ein Gsälzbär, ein Heggabeerlesbronzer und
    ein Griffelschbiddzr sein mag,keine Ahnung bei mir tut sich nichts.
    Liebe Grüße
    Sigi

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    1. Also... Die schwäbischen Nettigkeiten verdeutschen sich folgendermaßen: aus einem "Marmeladenfreund" wird ein "Gsälzbär" = jemand, der gerne Marmeladenbrot ißt; liebevolle Bezeichnung für einen Dummkopf, oder aus einem "Windhund" wird ein "Heggabeerlesbronzer". Der Griffelschbiddzr ist ganz klar eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung für einen Menschen, der seinen Griffel, seinen Stift in einer Tour spitzt, und eben gar nichts anderes zu tun hat.

      Ja, es ist nicht einfach, aber amüsant, gelt!

      Herzliche Grüße zurück

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  3. Joo, so send mr die Schwobo, nex sagt isch gnug globt.

    :-))

    Lieben Gruß Eva

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    1. So isch`s... :))) Wobei die Schwobn sich sehr unterscheiden von den Stuttgartern, beziehungsweise den Leuten im Hinterland. Ich war vier Semester in Hohenstein. Und hab`s genossen. Dort geht es gemütlicher zu.

      Liebe Grüße zurück

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  4. Liebe Heidrun,
    du bist für mich echt Kult!!!
    Welch Mühe du dir gibst uns in Augsburg einzuführen,
    uns alles zu erklären und erläutern ist schon eine Wucht,
    da braucht man keinen Übersetzer mehr, du machst dass alles sehr gut,
    Man hernach immer mehr an Wissen hat,
    wenn man deinen Post hat gelesen!!!
    Du bist schon Gold wert....
    Hab weiter so viel Freude am Leben!
    Am Rausfinden und Weitergeben,
    am Gedichte lesen und schreiben
    und mit uns teilen....
    Liebe Grüße schicke ich dir,
    die Monika*

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    1. Oh, das ist aber lieb!!! Freut mich sehr - Dankeschön und
      ganz herzliche Grüße zurück ♥

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  5. Liebe Heidrun,
    nun habe ich schon eine ganze Menge über augsburg erfahren
    und bildlich gesehen.
    Aber Heute, das ist wirklich der Hit. Ich habe es zweimal
    gelesen. Habe viel dazu gelernt.
    Danke dafür, dass du uns dies alles zur Kenntnis bringst.
    Einen schönen Abend wünscht
    Irmi

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    1. Dankeschön, freut mich sehr! Beim Fotografieren, beim Gespräch mit den Menschen vor Ort, erfahre ich jedesmal etwas. Es fügt sich wie ein Mosaikstein zum nächsten Mosaikstein dann allmählich zu einem Bild...
      ...liebe Grüße zurück

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  6. Hallo Heidrun,
    habe mit einem Lächeln deinen heutigen Beitrag gelesen und an einigen Stellen hast du es bestimmt auch nicht so ganz ernst gemeint (zwinker)?
    Die schwäbischen Worte habe ich bis auf den "Gsälzbär" alle verstanden.
    Eigentlich, kenne ich die Schwaben nur als fleißige, sparsame Häuslebauer? (lach)
    LG Heidi

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    1. Freilich, gehört für mich stets ein gerütteltes Maß Humor zum Leben... Das schlägt auch beim Posten durch. ;)

      Zu Deiner Frage: Gsälz bedeutet im schwäbischen das Wort für die Marmelade. Wie es sich etymologisch entwickelt hat, müsste ich ehrlich gesagt noch verfolg n - das weiß ich noch nicht. Der n Gsälzbär ist also jemand, der gerne Marmelade mag. Daraus ergibt sich die Bezeichnung für einen Dummkopf, da er ja so harmlos dahindümpelt.

      Und ja, die Schwaben sind fleißige Häuslebauern, was wiederum die geizige Seite betrifft.

      Liebe Grüße zurück

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  7. Liebe Heidrun,
    was für ein schöner und zum schmunzeln bringender Post über den Augsburger :O)
    Die Worte hab ich auch alle verstanden *schmunzel*
    Ich wünsche Dir einen herrlichen Tag und einen guten Start in ein wunderschönes und erholsames Wochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

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  8. Was musste ich grinsen, so kannte ich zwar schon in D. auch Schwaben, aber soviele Schwaben wie es hier auf der Insel gibt doch nicht *gg* Ich mag den Dialekt und das "gelle" hat sich bei mir auch schon mit "eingebürgert". Einen tollen Post hast du gemacht, den werde ich mal zeigen ;-)))

    Hab einen ganz tollen Tag und liebe sowie ♥liche Grüssle von mir zu dir

    N☼va

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  9. I loved how the greens got more prolific and more intense the further down I read :-)
    Thank you for taking part in the Friday Greens meme, I look forward toy our next contribution.

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  10. Das ist ja sehr interessant, was du so über die Augsburger zu berichten weißt und zusätzlich unterhaltsam zu lesen :) Bis jetzt war mir nur die Sache mit der Sparsamkeit bekannt.
    Wenn ihr nach Kuba wollt und nicht in der Touristenschwemme untergehen wollt, dann müsst ihr euch beeilen. Ab Juni 2016 wird die Insel allein von 110 Fliegern TÄGLICH aus den USA angeflogen und 5 Kreuzfahrtschiffe werden pro Woche dort anlegen...sicher werden noch andere Länder folgen, nur zur Info.

    Liebe Grüße
    Arti

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  11. Ach Heidrun. Da hast du uns aber treffend beschrieben.
    Wobei ich schon sagen muss, dass ich da eine sehr untypische Augsburgerin bin.
    Außer der Größe... klein bin ich tatsächlich.
    Und das stimmt, ist mir nicht aufgefallen bisher, aber die Augsburger sind wirklich sehr klein.
    Allerdings legt der Augsburger ja darauf großen Wert, dass er ein bayrischer Schwabe ist, ge!
    Abr s' is schee, dass d'r bei uns gfallt.
    Scheens Wochaend no. D' Angela

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    1. Nur gut, dass Du damit konform gehst... ;) Aber natürlich sind wir in Augsburg noch richtige Bayern!
      Und a scheens Wochaend winsch I Dir a. Oder vielleicht so: Kommsch nochem Mittag, no bisch zom Veschber wieder dahoim... ;-)
      Liebe Grüße zurück

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  12. Love the cat in a hat statue. That would look perfect in my garden

    mollyxxx

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...Danke für Deine netten Worte!
Ich freue mich über Deinen Kommentar und antworte gern, sobald es zeitlich klappt...